Gedruckt am 15.12.2019 um 12:58 Uhr
Link zu dieser Seite: http://dynamic-karate.de/index.php?pageID=18
_DRUCKEN
Geschichtliches

Karate- Do

eine Entstehungs-Geschichte...

Ein buddhistischer Mönch aus Südindien namens Dar(u)ma Taishi, dem eine gewisse Weisheit nachgesagt wird, erreichte im 6. Jahrhundert n. Chr. auf seiner Reise durch China das Kloster "Shaolin". Freundlich aufgenommen sollte er dort einige Jahre seiner Lebenszeit verbringen und großes vollbringen. Er begründete im hiesigen Kloster nicht nur den inzwischen weltweit verbreiteten Zen-Buddhismus, sondern unterwies die dort ansässigen Mönche auch in diversen körperlichen Übungen. Im Laufe der Jahre ist so dass berühmtberüchtigte "Shaolin-Kung-Fu" entstanden, aus dem sich viele weitere asiatische Kampfkunststile weiterentwickelt haben sollen, so die Legende…

In seiner heutigen Form entwickelte sich das Karate auf der pazifischen Ryukyu- Inselkette, im speziellen auf deren Hauptinsel namens Okinawa. Die Insel Okinawa ist heute ein Teil der gleichnamigen Präfektur Japans. Durch das Umherreisen und über den Austausch von Handelswaren zwischen China, Japan und Korea, etwa um das 14. Jahrhundert n. Chr., wurden nicht nur Waren ausgetauscht, sondern auch das Wissen diverser Kampfkünste weitergegeben und verbreitet. Dies führte wiederum zu einer Vermischung und Erweiterung verschiedener Kampfstile. So sieht also nicht nur das Karate seine Wurzeln aus chinesischer Herkunft begründet. Die frühe chinesische Bezeichnung für Karate war "China-Hände" und wurde später auf Okinawa in "Okinawa-Te" (Te = Hand) umbenannt. Der ursprüngliche japanische Begriff für Karate, also "Okinawa-Te", kann daher grob mit "Handtechnik aus Okinawa" übersetzt werden.

Da es auf den Inselgruppen in und um Okinawa immer wieder aufgrund wirtschaftlicher Ungerechtigkeiten zu heftigen Unruhen und Aufständen der Bevölkerung kam, verbot der damalige Herrscher zur Erhaltung der Staatssouveränität das Tragen jeglicher Waffen. Als um 1609 der Clan der "Satsuma", die Macht übernahm, wurde das Waffenverbot noch verschärft und Verstöße unter schwere Strafe gestellt. Sämtliche Klingenwerkzeuge wurden von Clan-Beauftragten eingesammelt und mussten abgegeben werden. Das verschärfte Waffenverbot sollte weitere Unruhen und bewaffnete Widerstände gegen die neuen Machthaber unterbinden. Da es damals auf Okinawa kein oder nur ein mangelhaftes Rechtsschutzsystem für den Bürger gab, die Regierungssoldaten aber unter der Gewaltherrschaft des Clans das Recht der so genannten "Schwertprobe" hatten, dem zu Folge sie die Schärfe ihrer Schwertklinge an Leichen, Verwundeten oder auch willkürlich an einem Bauern erproben konnten, führte dies zu einer gesteigerten Notwendigkeit der Selbstverteidigung unter dem gemeinen Volk. So schlossen sich im laufe der Jahre die Meister des "Okinawa-Te" zu einem geheimen Bund zusammen, um ihre Kampfkunst weiter zu entwickeln und an ausgewählte Personen weiterzugeben.

Es wurde der Umgang mit Werkzeugen und Alltagsgegenständen (Dreschflegel, Heugabel, Schnitter, Sense, Spitzhacke usw.) eingeübt und sie wurden zu effektiven Waffen umfunktioniert, woraus schließlich auch das "Kobudo", die Waffenkampfkunst entstand. Spezielle Techniken im Umgang mit diesen "Bauernwerkzeugen" wurden entwickelt um sie, mit entsprechendem Training, in tödliche Waffen zu verwandeln. "Kobudo" und seine aus Alltagsgegenständen und Werkzeugen hergestellten Waffen konnten schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht verboten werden, da sie für die Produktion und Versorgung der Bevölkerung sowie der Besatzer mit Nahrungsmitteln, Maschinen… etc., schlicht notwendig waren. Allerdings ist es nicht gerade einfach, mit diesen Waffen einem ausgebildeten und gut bewaffneten Regierungssoldaten im Kampf gegenüberzutreten. Deshalb entwickelte sich im "Okinawa-Te" und im "Kobudo", was damals noch eng miteinander verknüpft gelehrt wurde, die Maxime möglichst nicht getroffen zu werden und gleichzeitig die wenigen Gelegenheiten, die sich boten zu nutzen, den Gegner mit einem einzigen Schlag zu töten oder mindestens kampfunfähig zu machen. Aus diesem Grund wurde das Karatetraining auf Techniken mit höchster Effizienz ausgelegt und Techniken, die unnötiges Risiko bargen, wie z. Bsp. hoch ausgeführte Fußtritte, ausgespart.

Dieses für das Karate spezifische Prinzip nennt sich "Ikken-Hissatsu" und ist vielleicht verantwortlich für den bis in die heutige Zeit hineinreichenden Ruf des Karate, ein aggressives Kampfsystem extremer Härte zu sein. Nun, die erstaunliche Wirkung dieser Kampfkunst sprach sich herum und führte dazu, dass die Besatzer erneut das Waffenverbot ausdehnten, und das Lehren und Ausüben von "Okinawa-Te" unter drakonische Strafe stellten. Natürlich wurde es weiterhin im Geheimen unterrichtet. Da die Kunst des Schreibens und des Lesens zu damaliger Zeit kaum verbreitet war, und man auch aus Geheimhaltungsgründen dazu gezwungen war, wurden keinerlei schriftliche Aufzeichnungen dieser Kampfkunst angefertigt. Man verließ sich auf die mündliche Überlieferung und die direkte Weitergabe von Meister zu Schüler. Zu diesem Zweck bündelten die Meister die zu lehrenden Kampftechniken in didaktisch zusammenhängende Einheiten, wobei verschiedenste Technikabläufe in eine bestimmte Form gebracht und angeordnet wurden. Diese genau vorgegebenen Abläufe nennt man "Kata" (Form).

Um dem Geheimhaltungszweck des "Okinawa-Te" Rechnung zu tragen, mussten diese Abläufe vor Nicht-Eingeweihten der Kampfschule, also potentiellen Ausspähern oder Personen denen vielleicht nicht unbedingt Vertrauen entgegengebracht werden konnte, chiffriert werden. Dabei bediente man sich als Chiffrierungscode den traditionellen Stammestänzen, die den systematischen Aufbau der "Kata" (Form) beeinflussten. So besitzt jede "Kata" noch bis heute ein bestimmtes Schrittdiagramm (Embusen). Die Effizienz der Chiffrierung der Techniken in Form einer "Kata" zeigt sich bei der Kata- Demonstration vor Laien: für den Laien und in den ungeübten Augen des Karate-Anfängers muten die Bewegungen befremdlich, uneffizient oder nichts sagend an. Die eigentliche Bedeutung der Kampfhandlung erschließt sich erst durch intensives Kata- Studium und der Dechiffrierung der "Kata". Dies erfolgt u. a. im "Bunkai- Training". Man kann die "Kata" sozusagen als ein traditionelles, systematisch gegliedertes Kampfhandlungs- ablaufprogramm sehen, und sie ist ein hauptsächlicher Standpfeiler in der Kunst des Karate.

Einer der bekanntesten Schüler und alsbald Lehrer des Karate war S. Matsumura, der später sogar vom Herrscher von Okinawa gebeten wurde, ihn zu unterrichten. Als Japan sich ab 1875, nach Jahrhunderten der Isolierung, der Welt wieder öffnete, begann das Karate stärker in das Interesse der Öffentlichkeit zu drängen. Bei einer Musterung für den Wehrdienst um 1890 wurde der Kommissar für Erziehung der Präfektur Okinawa auf die besonders gute körperliche Verfassung einer Gruppe junger Männer aufmerksam. Diese gaben an, im Karate unterrichtet zu werden. Daraufhin beauftragte die Lokalregierung den damaligen Karate-Meister Y. Itosu damit, einen Lehrplan zu erstellen, der unter anderem die einfachen und grundlegenden Formen (Kata 1-5) enthielt, aus denen er die Taktik und Methodik des Kämpfens weitgehend entfernte und gesundheitliche Aspekte wie Haltung, Beweglichkeit, Koordination, Atmung, Spannung und Entspannung sowie Meditation in den Vordergrund stellte. 1902 wurde Karate offiziell zum Schulsport auf Okinawa erklärt.

Mit diesem Ereignis diente das Erlernen und Üben von Karate nicht mehr nur der Selbstverteidigung, sondern wurde von da an als Leibesertüchtigung und Erziehungsmittel angesehen im Sinne des Leitspruches:
Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist nicht Sieg oder Niederlage - der wahre Karateka erstrebt die

Vervollkommnung seines Charakters.

(Hitotsu! Jinkaku Kansei Ni Tsutomuru koto)


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand die Kampfkunst Karate ihren Weg nach Japan und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dort aus über die ganze Welt verbreitet und bis zur heutigen "modernen" Form weiter entwickelt...eine schöne Geschichte.

Möglicherweise ist aber alles auch ganz anders...

...und eben genau hier/dort sollte deine eigene Suche beginnen...

...um in deiner eigenen Wirklichkeit zu erwachen.

 

Eine gute Reise wünscht...


M.W. Kupplmayr